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Stellungnahme "Prüfungsantritte kürzen?"

Den Pressetext der Universitätenkonferenz, auf den sich unsere Stellungnahme bezieht, findest du hier.

Vor einer Woche wurde bekannt, dass die Universitätskonferenz für eine Änderung des Studienrechts in Hinblick auf die Zahl der Prüfungsantritte plädiert. Die üblichen drei bis vier Wiederholungsmöglichkeiten sollen auf zwei gekürzt werden.

Wir als Studienvertretung Lehramt TU Graz sprechen uns eindeutig gegen diese Kürzung aus und möchten auf einige Punkte hinweisen, die unter anderem dazu führen, dass Studierende oftmals mehrere Antritte wahrnehmen müssen, um eine Prüfung zu meistern:

„Wir haben ein Laissez-faire System, das maximal frei und fördernd sein soll, aber leider in erster Linie zum Scheitern einlädt"

Das maximal frei und fördernde System, das uns Studierenden an den Universitäten geboten wird, lädt also scheinbar dazu ein, zu einem „Bummlestudenten“ zu werden, ja sogar zu einem „Sozialschmarotzer“, der das freie System ausnützt um nichts zu tun.

Dieses freie System gibt uns Studierenden die Möglichkeit, bis zum 24. Lebensjahr, vom Staat mit der Kinderbeihilfe unterstützt, ein Studium unserer Wahl „auszuleben“. Aber schon das stimmt nicht. Durch die vielen Aufnahmeprüfungen ist es einem großen Teil der Studierenden gar nicht möglich, das Studium ihrer Wünsche zu wählen, obwohl sie genau dafür 12 Jahre ihres Lebens in einem nun zentralisierten Schulsystem verbracht haben. Die Familienbeihilfe bis 24 bleibt auch nur so lange erhalten, solange man in Mindeststudienzeit mit den gewährten Toleranzsemestern und ohne zu „trödeln“ seine ECTS abliefert. Tut man das nicht, so verliert man sie schon wesentlich früher. Für Familien des Mittelstands mit mehreren Kindern kann dies auch das Ende des Studiums bedeuten. Die Verzögerungen durch zu spät abgelieferten ECTS oder zu spät eingereichte Studienabschnitte haben aber nicht immer etwas mit Desinteresse oder gar „Faulheit“ zu tun. Vielmehr ist die Ursache dieses Problems an den Universitäten selbst zu suchen: Es mangelt an Lehrpersonal und Lehrveranstaltungsangeboten; beispielsweise gibt es Lehrveranstaltungen, die 200 Studierende besuchen wollen, bei denen es aber nur maximal 40 Fixplätze gibt. Die meisten dieser Kurse werden überhaupt nur einmal im Studienjahr angeboten. Das führt zu Flaschenhälsen, die das Studium verzögern.

„…weil es ja eh nicht ernst ist!“

Die Möglichkeit, bis zu viermal eine Prüfung wiederholen zu können, so schreibt die uniko, würde dazu führen, dass die Studierenden die Prüfung beim ersten Antritt nur versuchen, da dieser sowieso nur einer von vielen ist und daher „nicht ernst zu nehmen sei!“
Welcher Studierende wiederholt gerne eine Prüfung? Oder gar öfters? Vielleicht kann man das erste Mal als Versuch gelten lassen, aber schon den zweiten Antritt wird jeder ernst nehmen. Und warum „probieren“ Studierende eigentlich? Liegt es an ihnen oder an willkürlichen Prüfungsstilen, Benotungssystemen und fehlenden Evaluierungen, die kennengelernt werden wollen, bevor man sich ihnen stellt?
Viele Prüfungen dienen auch dazu, Studierende „auszusortieren“, da es einfach zu wenige Studienplätze für so viele Interessierte gibt. Diese „Knock-Out-Prüfungen“ sind eine Hürde, die für viele eine große Belastung ist.

„Darüber hinaus gibt es keine Gebühren“

In Österreich haben wir Studierenden wirklich das Glück, in den meisten Fällen von Studiengebühren befreit zu werden - was abzugeben ist, ist der sogenannte „Studienbeitrag“, eine Zahlung in der Höhe von ca. € 19,00. Aber damit endet das Gratisstudium!
Es gibt kaum mehr Wohnbehilfe, Studienbeihilfe wird in vielen Fällen abgelehnt. Viele Studierende müssen neben ihrem Studium arbeiten gehen, um sich das Leben finanzieren zu können, vor allem da nach einem Wegfall der Familienbeihilfe aus obengenannten Gründen, dann sehr wohl Studiengebühren anfallen!
Selbst das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wird Studierenden, von denen viele nicht aus der Stadt sondern aus ländlichen Regionen kommen, nicht erleichtert. Das Topticket zum Beispiel, mit dem man um 100€ die gesamte Steiermark befahren kann, gibt es für alle SchülerInnen und Lehrlinge bis 24, nicht aber für Studierende! Es gibt lediglich eine Studienkarte, welche in der Steiermark je nach Entfernung zum Studienort weit über 1000€ im Jahr kosten kann. Von einem „Gebührenfreien Studium“ kann nicht die Rede sein!

Und jetzt stellt sich die Frage: Warum studieren wir so lange? Warum scheitern wir mehrmals an Prüfungen? Warum lassen wir uns Zeit, bis wir ECTS abliefern? Warum können wir unser Studium nicht intensiv betreiben, schnell abschließen um so rasch als möglich ins Berufsleben einzusteigen, wie es uniko-Präsident Oliver Vitouch gerne sähe?

Weil es uns nicht möglich ist und nicht möglich gemacht wird. Weil wir versuchen müssen, in einem „maximal frei und fördernden System“ zu bestehen, das uns Freiheit und Möglichkeiten raubt. Die meisten von uns sind gezwungen nebenbei zu arbeiten, eher früher als später Studiengebühren zu bezahlen, und unter dem Druck der Mindeststudienzeit „auf Österreichisch zu studieren!“

Die StV Lehramt TU Graz


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