Logo

Stellungnahme zum „Informationsvakuum“ der Induktionsphase

Am 1. Oktober 2015 wurde zum ersten Mal in der 250-jährigen Geschichte des österreichischen Schulwesens eine neue akademische Ausbildung für Lehramtskandidat_innen für den gesamten Sekundarbereich eigneführt, ungeachtet dessen, an welchem Schultyp (NMS, AHS oder BHMS) sie später unterrichten werden. Dieser außergewöhnliche bildungspolitische Schritt ist auf das bereits im Juli 2013 in Kraft getretene Bundesrahmengesetzes (BGBl. I Nr. 124/2013[1]) „zur Einführung einer neuen Ausbildung für Pädagoginnen und Pädagogen“ zurückzuführen.

Sechs Jahre später – ein Semester bevor die ersten Lehramtsstudiereden dieses neuartigen Ausbildungskonzeptes den Bachelor of Education verliehen bekommen – ist die Pädagog_innenbildung Neu wieder in aller Munde. Grund dafür ist eine erst vor wenigen Monaten neu entflammte, durch den offener Brief[2] des ÖPU-Bundeskongresses[3] angeheizte und in einer Petition[4] gipfelnden Debatte rund um den Einsatz von „frisch gebackenen“ Junglehrer_innen im pädagogischen Dienst: Das ebenfalls schon 2013 durch die Dienstrechts-Novelle (BGBl. I Nr.21 0/2013[5]) beschlossene neue Dienstrecht für Lehrer_innen, sieht mit der sogenannten am 1. September in Kraft tretenden Induktionsphase (§ 39[6] Vertragsbedienstetengesetz 1948), eine berufsbegleitende Einführung in den Lehrberuf vor und löst somit das seit den 1980er-Jahren Absolvent_innen von Lehramtsstudien auf ihre zukünftige Arbeit in Schulen vorbereitende Unterrichtspraktikum ab.

Gut Ding braucht Information

Es steht außer Frage, dass die Reform der Lehrer_innen-Ausbildung zu zwangsläufig mehr Übergangsbestimmungen führt. Studierende des „alten“ Lehramts können nicht mehr alle für sie vorgesehenen Lehrveranstaltungen laut deren Curriulum absolvieren, da diese entweder bereits Geschichte sind oder erst in der Zukunft wieder angeboten werden. Weiters können Auskunfts-, Koordinations- oder sonstige Stellen, die sich im Übergangsbestimmungsdschungel de facto genauso viel zusammenreimen, wie komplett planlose Studienkolleg_innen, nur allzu gut ein Lied singen.

Aus diesem Grund möchten wir als Studienvertretung alle beteiligten Akteure_innen dazu anhalten, zu bedenken, dass die gesamte Debatte rund um die Neureglung des Berufseinstiegs in das Lehramt einerseits auf Basis von neuen Konzepten geführt wird, von denen noch nicht ganz klar ist, wie diese überhaupt aussehen werden. Somit stellt der Diskurs – salopp ausgedrückt – lediglich ein argumentatives Chaos von Falsch- und Halbinformationen im Informationsvakuum Induktionsphase dar, anstatt gemeinsam konkrete Lösungen zu erarbeiten.

Auch wenn die Induktionsphase rechtlich gesehen weder Teil des alten Diplomstudiums noch in irgendeiner Form in der neuen Lehramtsausbildung verankert ist und somit auch nicht in unseren Kompetenzbereich fällt, setzen wir uns dafür ein, dass von offizieller Seite längst überfällige Informationen zu den genauen Rahmenbedingungen auf den Tisch gelegt werden, um in weiterer Folge auf sachlicher Ebene gemeinsam umsetzbare Forderungen an Politiker_innen und Verantwortliche zu stellen.

Fakt ist lediglich, dass …

Laut Herrn Bundesminister Dr. Heinz Faßmann ist „aus Gründen eines klaren Rechtsüberganges […] seitens des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung nicht geplant, parallel zum anlaufenden Mentoring das Unterrichtspraktikum weiterhin zu ermöglichen.“, wie am 30. Jänner 2019  aus seiner Beantwortung[7] der schriftlichen parlamentarischen Anfrage Nr. 2403/J-NR/2018[8] betreffend der Induktionsphase hervorgeht.

 

Abschließend wollen wir nocheinmal auf die -nun von uns selbst veranstaltete Informationsveranstaltung zur Induktionsphase am 13.03.2019 hinweisen.



[1] ris.bka.gv.at/eli/bgbl/I/2013/124 (aufgerufen am 22.02.2019)

[3] ÖPU: Ein „Gremium aus Spitzenvertreter_innen der Gymnasien aller Bundesländer“

[4] openpetition.eu/!lehramt (aufgerufen am 24.02.2019)

[5] ris.bka.gv.at/eli/bgbl/I/2013/210 (aufgerufen am 24.02.2019)